Möblierung für ein Studentenwohnheim
Standort
Eichstätt
Projektjahr
2025
wenig Raum = wenig Einrichtungsoptionen?
Gerade im Studium verändert sich viel. Warum sollten die Möbel dabei statisch bleiben?
Als studierende Person ist das Budget begrenzt, weshalb ein günstiger Raum im Studentenwohnheim naheliegt. Gleichzeitig ist diese Zeit von Veränderung und Ausprobieren geprägt. Diese Haltung sollte sich auch im eigenen Raum zeigen: Möbel, die sich an die jeweilige Lebensphase anpassen – oder vielleicht sogar an jede Situation?
Modulkiste
Die Modulkiste ist ein vielseitiges Möbelmodul für kleine Räume. Je nach Ausrichtung wird sie zur Sitzgelegenheit, Ablage oder sogar zum Bettgestell. Der offene Stauraum ist so dimensioniert, dass unterschiedliche Standardlösungen wie Euroboxen, IKEA-Boxen oder Ordner Platz finden. So verbindet die Modulkiste hohe Flexibilität mit guter Nutzbarkeit, wenig Materialeinsatz und einem budgetfreundlichen Prinzip.
Die Modulkiste wurde für das Wohnen auf begrenztem Raum entwickelt. Ausgangspunkt war die Frage, wie ein Möbel möglichst viele Funktionen übernehmen kann, ohne kompliziert, teuer oder platzintensiv zu werden. Entstanden ist ein kompaktes Modul, das sich durch einfaches Drehen unterschiedlich nutzen lässt: als Sitzkiste, als Ablage oder als offenes Regal. Durch das verbinden mehrerer Module entstehen zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten bis hin zu einer flexiblen Kombination mit Lattenrost und Matratze als Bettgestell.
Ein wichtiger Teil des Konzepts steckt im Stauraum selbst. Das offene Regalfach ist so aufgebaut, dass möglichst viele gängige Aufbewahrungslösungen hineinpassen. Euroboxen, Boxen von IKEA, Ordner oder andere standardisierte Behälter lassen sich unkompliziert integrieren. Dadurch bleibt das Möbel offen für unterschiedliche Alltagsgewohnheiten und lässt sich einfach und kostengünstig individuell ergänzen. Gerade für das Wohnen im Studierendenheim war dieser Gedanke zentral: wenig Budget, aber möglichst viel praktischer Nutzen.
Auch konstruktiv folgt die Modulkiste einem klaren Prinzip. Material soll effizient eingesetzt, Verschnitt möglichst reduziert und gleichzeitig ein hochwertiges, langlebiges Möbel geschaffen werden. Die Flatpack-Idee unterstützt diesen Ansatz in Herstellung, Transport und Montage. Gesteckte und verschraubte Verbindungen machen das Möbel zudem reparierbar und dauerhaft nutzbar. So entsteht aus einem einfachen Grundelement ein vielseitiges Möbel, das sich an wechselnde Bedürfnisse anpassen kann und trotz knapper Mittel eine wertige Lösung bietet.
Tisch
Der Tisch ergänzt die Modulkiste zu einem flexibel nutzbaren Möbelensemble für kleine Räume. Er funktioniert als kompakter Arbeitsplatz, nimmt die Modulkiste passgenau unter sich auf und schafft so schnell zusätzliche Fläche im Zimmer. In Kombination mit der Modulkiste kann er zudem zum Stehtisch werden. Materialeffizient, hochwertig und als Flatpack gedacht, verbindet er klare Funktion mit vielseitiger Nutzung.
Der Tisch wurde als direkte Ergänzung zur Modulkiste entwickelt und folgt denselben Grundgedanken: möglichst wenig Materialverschwendung, eine hohe Alltagstauglichkeit und ein Möbel, das auch bei wenig Platz und begrenztem Budget möglichst viele Situationen abdecken kann. Im Alltag dient er zunächst als klarer, kompakter Bürotisch für das Arbeiten, Lernen und den täglichen Gebrauch im Studierendenwohnen.
Seine eigentliche Stärke liegt im Zusammenspiel mit der Modulkiste. Diese lässt sich passgenau unter den Tisch schieben, sodass beide Möbel optisch und funktional als Einheit wirken. Dadurch kann der Raum schnell umorganisiert und bei Bedarf freigeräumt werden, ohne dass einzelne Elemente im Weg stehen. Gleichzeitig kann die Modulkiste auch als Hocker oder Bank am Tisch genutzt werden. So entsteht ein flexibles System, das sich unterschiedlichen Anforderungen im Alltag anpasst.
Auch über die klassische Nutzung hinaus ist der Tisch offen für weitere Szenarien. Wird die Modulkiste auf die Tischfläche gestellt, entsteht ein Stehtisch in zwei unterschiedlichen Höhen. Je nach Ausrichtung der Kiste ergeben sich zwei Ebenen, die unterschiedlich große Personen ergonomisch unterstützen. Ergänzt wird der Tisch durch gezielte Aussparungen, über die Kabel ordentlich geführt und unauffällig zur Steckdose geleitet werden können.
Prozess
Der Entwurfsprozess war von Anfang an auf Materialeffizienz, Alltagstauglichkeit und reale Nutzung ausgerichtet. Schon in frühen Modellen wurde mitgedacht, wie sich Standardplattenmaße sinnvoll nutzen und Verschnitt minimieren lassen. Erste Prototypen halfen dabei, Maße, Funktionen und Nutzung direkt im Alltag zu testen und gezielt weiterzuentwickeln.
Die Möbel wurden so entwickelt, dass sie sich möglichst sinnvoll aus Standardplattenmaßen ableiten lassen. Materialeinsatz, Zuschnitt und Verschnitt wurden früh mitgedacht und waren damit nicht nur technische Randbedingungen, sondern ein aktiver Teil des Gestaltungsprozesses. Schon erste Modelle halfen dabei, Proportionen, Konstruktion und Materialbedarf so zu untersuchen, dass aus wenig möglichst viel entstehen kann.
Parallel dazu wurde früh mit einfachen Prototypen im Maßstab 1:1 gearbeitet. Noch bevor Details ausgearbeitet wurden, ging es darum, Nutzung und Proportionen im realen Maßstab zu überprüfen. So konnte getestet werden, welche Aufbewahrungsbehälter tatsächlich in das Regalfach passen, wie sich die Module im Alltag einsetzen lassen und ob die Kombination aus zwei Kisten als Bettgestell funktioniert. Diese frühen Versuche machten schnell sichtbar, was funktioniert, wo nachjustiert werden muss und welche Lösungen sich im täglichen Gebrauch wirklich bewähren.
Die Prototypen wurden dabei nicht nur im Studio, sondern auch im echten Wohnen erprobt. Ein Modul wurde von einem Teammitglied direkt im Alltag genutzt, um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln und in die Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Ergänzt wurde dieser Prozess durch die Zusammenarbeit mit der Schreinerei Kelz in Eichstätt. Die kurzen Wege und der direkte Austausch in der Fertigung halfen dabei, auch den Herstellungsprozess weiter zu optimieren und eine hochwertige, präzise und zugleich wirtschaftliche Umsetzung bei lokaler Produktion zu ermöglichen. So entstand Schritt für Schritt ein Möbel, das Entwurf, Nutzung und Produktion von Anfang an konsequent mitgedacht hat.
w e i s s Architekten