Drei Jura-Tinyhäuser für die Gastronomie
Eingebettet in die Altmühlaue, zwischen historischem Stadtkern und moderner Wohnbebauung der Stadt Eichstätt entwarfen w e i s s Architekten drei Jura-Tinyhäuser für die gastronomische Nutzung. Angelehnt an die Dachneigung und Proportionen klassischer Jurahäuser, nehmen die Tinyhäuser Bezug auf das bestehende Stadtbild. Besondere Herausforderung der Planung war die unmittelbare Nähe zur Altmühl und die damit verbundene Hochwassergefährdung. Da im Ernstfall weder ausreichend Zeit noch kurzfristig verfügbare Kräne für einen Abtransport zur Verfügung stehen, musste das Konzept von Beginn an auf eine eigenständige und schnelle Reaktion auf Hochwasserereignisse ausgelegt werden.
Die innovative Lösung: Abrollbügeln und Abrollrahmen nach DIN-Norm, wie sie üblicherweise bei Containern eingesetzt werden. Das filigrane Stahlgerüst nimmt Scherkräfte auf und ist seitlich sowie unterhalb der Tinyhäuser montiert. Rollen an den Enden erhöhen die Gleitfähigkeit. Dadurch können die Gebäude mit Geräten, die in der Regel kurzfristig auf Baustellen verfügbar sind, schnell und unkompliziert abtransportiert werden.
Eine weitere Besonderheit des Projekts war das Vergabeverfahren der Stadt Eichstätt: Potenzielle Gastronomiebetreiber mussten sich mit einem baulichen Konzept um die Nutzung bewerben. In einem gemeinsamen Prozess entstanden so Gebäude, die sowohl auf die Anforderungen der Betreiber als auch auf die Vorstellungen der Stadt abgestimmt sind.
In den drei Tinyhäusern befinden sich eine Küche mit Kiosk, Lagerflächen sowie eine Toilettenanlage. Durch ihre Anordnung im Halbkreis entstehen geschützte Aufenthaltsbereiche mit Blick in die Altmühlaue, die eine offene und zugleich gemütliche Atmosphäre für die Gäste schaffen. Gleichzeitig überzeugte das Konzept durch seinen schlanken konstruktiven Aufbau, den Verzicht auf massive Betonsockel sowie einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Materialeinsatz. Die Ausführung erfolgte durch regionale Fachbetriebe, für den Holzbau wurde lokales Holz verwendet.
Im Zuge des Projekts entwickelten w e i s s Architekten einen Prototypen: das abtransportierbare Jura-Tinyhaus. Das Konzept lässt sich überall dort einsetzen, wo Hochwasser eine konventionelle Bebauung erschwert oder ein schneller Rückbau erforderlich ist.
Darüber hinaus knüpft das Projekt an Erkenntnisse aus „braungebrannt am Altmühlstrand“ an – einer Vision zur zukünftigen Nutzung der Altmühlaue, die w e i s s Architekten anlässlich des Brückenfestes 2019 am selben Ort präsentierten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Altmühlaue künftig stärker als öffentlicher Aufenthalts- und Begegnungsraum genutzt werden kann. Der visionäre Entwurf löste eine breite Diskussion über Stadtgestaltung, Aufenthaltsqualität und Bürgerbeteiligung aus und gab wichtige Impulse für die heutige Entwicklung des Areals. So gingen aus den damaligen Überlegungen unter anderem die Trennung von Fuß- und Radweg, neue Aufenthaltsbereiche entlang der Altmühl sowie erste Ansätze für die räumliche Zonierung der Freiflächen hervor.
Standort
Eichstätt
Leistungsphasen
1-8
Projektjahr
2024
Mit den Jura-Tinyhäusern entstand ein übertragbares Konzept für flexible, nachhaltige und hochwasserangepasste Architektur.
Susan Buth
